Messer schärfen & pflegen

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Einleitung


Unterschiedliche Materialien bedürfen auch einer unterschiedlichen Pflege. Doch welche Mittel und Methoden sind die richtigen und was liegt einem am besten? Denn auch den Gewohnheiten und Vorlieben des Individuums soll hierbei Rechnung getragen werden. Häufig hört man, dass moderne Werkstoffe, wie Kunststoffe über eine bessere Dauerbeständigkeit verfügen als Holz, Leder und niedrig legierte Stähle. Dies ist nur bedingt richtig, denn bei entsprechende Sorgfalt und Pflege können Naturmaterialien nahezu unbegrenzt erhalten werden. Im Folgenden schildere ich einige Methoden.
 

Klingenpflege

Reinigen


Nach jedem intensiven Gebrauch, oder wenn es mit scharfen Substanzen wie Säuren aus Nahrungsmitteln oder Salzwasser in Kontakt kam sollte das Messer gereinigt werden. Dazu spült man das Messer am besten mit reichlich Wasser ab um groben Schmutz zu entfernen und somit Kratzer durch Sandkörner und Ähnliches beim anschließenden Putzen zu vermeiden. Messer aus niedrig legiertem Stahl sollten am besten nie direktem Kontakt mit Seewasser oder starken Säuren ausgesetzt sein und falls sich dies nicht ganz vermeiden lässt zumindest sofort wieder davon befreit werden. Danach kann man das Messer bei Bedarf mit lauwarmen, aber nie mit heißem Spüliwasser und einem weichen, sauberen Tuch putzen. Anschließend gründlich trocknen.
 

Schützen


Messer aus nicht rostträgem Stahl sollten nach jeder Reinigung mit einem säurefreien Öl hauchdünn eingerieben werden.  Dafür sind Kamelienöl, japanisches Nelkenöl und das Universalöl der Firma "Ballistol™" (Die Verwendung des Markennamens dient lediglich der Empfehlung - ich erhalte kein Geld von der Firma und habe auch ansonsten nichts mit der Firma oder ihren Produkten zu tun) gut geeignet. Das Letztgenannte ist die preiswerteste Variante und erfüllt ihren Zweck vollkommen. Das Öl wird aus Weißkernöl hergestellt und ist ungiftig, hat jedoch einen Eigengeruch.
 

Schärfen


Beim Schärfen arbeitet man wie bei allen abrasiven Formgebungstechniken von grob nach fein. Man legt das Messer mit einer Seite der Microfase im exakten Schneidenwinkel auf den Schleifstein und zieht es ab. Die beiden Seiten der Microfase sollten dabei abwechsend bearbeitet werden um einen gleichmäßigen Schliff zu gewährleisten und die Gratbildung zu vermeiden. Ob man dabei mit dem Schliff, dagegen oder mit kreisenden Bewegungen arbeitet (da gibt es viele Meinungen) ist nach meinem Dafürhalten Geschmacksache. Die Ausnahme bilden Rasiermesser mit einseitigem Hohlschliff. Hier sollte gegen die Schneide gearbeitet werden um die einseitige Gratbildung zu bermeiden so gut es geht. Es ist jedoch defenitiv sinnvoll die Schneide möglichst fein abzuziehen. Zwar kann sich eine sehr fein ausgeschliffene Schneide stumpfer anfühlen als eine rau ausgeschliffene (der „Sägezahneffekt fehlt), aber die Schneide bleibt so viel länger scharf und schneidet sauberer. Auch auf die Anwendung bezogen kann dies wichtig sein. Zieht man beispielsweise ein Rasiermesser zu grob ab, wird dieses nicht nur sofort wieder stumpf (dazu kommt es ohnehin nur bei sehr hart gesottenen Menschen, denn), die Rasur wird auch ein sehr unangenehmes Erlebnis sein, da sich die raue Klinge unweigerlich die Haut aufkratzt.
 

Schärfsteine


Es gibt eine große Fülle an Schleifsteinen auf dem Markt zu kaufen. Die verwendeten Schleifsteine sollten nicht nur eine hohe Qualität besitzen, sie müssen auch auf ihren Verwendungszweck abgestimmt sein. Man kann Schärfsteine auf unterschiedliche Weise Kategorisieren, z.B. in künstliche und Naturschleifsteine. Am sinnvollsten erscheinen mir Kategorisierungen nach den Kühlmitteln und den Schleifmitteln.


Wasserschleifsteine

Ich beginne mit dem Klassiker, dem Wasserschleifstein. Mit hochwertigen Wasserschleifsteinen erreicht man bei den meisten Messern, mit etwas Übung sehr gute Ergebnisse. Hierbei ist es jedoch wichtig, den Winkel genauestens einzuhalten, da die Schneide ansonsten in den Stein schneidet und stumpfer wird als sie vorher war. Das Prinzip liegt in der Bildung eines Schleifschlamms, der sich beim Arbeiten aus den Schleifpartikeln des Steins und dem Wasser bildet. Bei maschinell betriebenen Wassersteinen dient das Wasser als Kühlmittel.
In Japan werden schon seit dem Mittelalter mit Wasser benetzte Naturschleifsteine zum Schärfen von Klingen verwendet. Diese Steine gehören auch heute noch zu den besten. Mittlerweile haben sich auf allen Kontinenten künstlich gebundene Wasserschleifsteine durchgesetzt. Bei Diesen gibt es große Qualitätsunterschiede.
In Europa ist der Belgische Brocken der Klassiker schlechthin. Beim Kauf eines originalen Belgischen Brockens weis man was man hat.

Dieses Bild zeigt einen Belgischen Brocken.

Künstlich gebundene Steine müssen in der Regel vor der Verwendung einige minuten im Wasser liegen. Ihre Schleifflächen können so oft wieder plan geschliffen werden, wie noch genug Stein übrig ist.


Ölschleifsteine

Bei Ölschleifsteinen dient das Öl als Schmiermittel und verhindert das Zusetzen des Steins mit Schleifstaub. Bei der maschinellen Arbeit dient es zudem der Kühlung des Werkstücks. Der Ölschleifstein bildet keinen Schleifschlamm (sollte er zumindest nicht). Ich habe persönlich schlechte Erfahrungen mit künstlich gebundenen Ölschleifsteinen. Gerade bei hartem Material nutzen sie sich meist schnell ab, oder sie setzen sich zu und sind dann schwer zu reinigen.
Wirklich empfehlen kann ich den echten Arkansas Naturschleifstein. Aber vorsicht - auch hier werden vermehrt künstlich gebundene Steine angeboten, welche die beschriebenen Nachteile haben.

Dieses Bild zeigt einen Arkansas Naturstein.

Ein wenig Schleiföl reicht. Es sollte ein niedrig-viskoses und säurefreies Öl verwendet werden. Nach der Verwendung kann der Arkansas mit Spiritus und einem Tuch gereinigt werden.


Diamantschleifsteine

Bei Diamantschleifsteinen handelt es sich um eine Platte (meistens Stahl) die mit einer Diamantkörnung beschichtet wurde. Hierbei ist die Bindung entscheident, denn ist die Diamantkörnung mal abgenutzt, kann der Stein nicht repariert werden. Man unterscheidet hauptsächlich galvanisch gebundene Steine und Steine bei denen der Diamant eingeschmolzen wird. Auch die Körnung ist für die Lebensdauer eines Diamantschleifsteins wichtig. Es gilt: Je gröber das Korn, desto leichter brechen Körner herraus. Sehr feine Steine hingegen neigen dazu sich mit Schleifstaub zu zusetzen, vor Allem wenn weicher Stahl geschliffen wird. Mit Diamantsteinen arbeitet es sich ansonsten hervorragend. Zu empfehlen sind sie vor Allem dann wenn viel Material abgetragen werden soll. Um dem Zusetzen des Steins entgegen zu wirken kann mit etwas Öl gearbeitet werden. Da die meisten Diamantsteine aus beschichtetem Stahl bestehen ist bei der Verwendung von Wasser Vorsicht geboten (Rostbildung). Für den letzten Schliff empfehle ich jedoch mit feinen Wasser- oder Ölschleifsteinen nachzuarbeiten.

Dieses Bild zeigt einen Diamantschleifstein..

 

Schärfmaschinen


Wenn man Maschinen verwendet, müssen die Schleifelemente unbedingt in Wasser laufen, da der Stahl ansonsten schnell überhitzt und seine Härte verliert. In jedem Fall ist es sinnvoll, dass Messer mit beiden Händen festzuhalten, eine Hand ab Griff und eine an der stumpfen Seite der Klinge. Dadurch hat man eine stabile Führung und kann einen gleichmäßigen Schliff gewährleisten.


Die europäische Schärfmaschine


Fast jeder hat schon mal eine gesehen - die europäische Schärfmaschine. Ein Schleifrad dreht sich auf einer motorgetriebenen Welle. Der Stein sollte natürlich im Wasser laufen. Manchmal ist sie beidseitig mit einem Stein ausgestattet, mal mit einem Stein und einer Leder bespannten Abziehscheibe.

Diese Darstellung zeigt eine typische, europäische Schärfmaschine.

Bei manchen Maschinen kann die seitliche, plane Fläche des Schleifsteins genutzt werden. Dies bietet Vorteile, z.B. Japanische Kochmesser mit einseitigem Anschliff können sonst nicht darauf bearbeitet werden. Wird mit der runden Seite geschliffen, gilt: Je größer das Rad, desto geringer der Hohlschliff, was vor allem bei Messern mit breiter Fase wichtig ist.


Dieses Bild zeigt den Einfluss unterschiedlich großer Schleifräder auf das Schleifergebnis.


Die japanische Schärfmaschine

Die Japanische Version der Schärfmaschine bietet eine plane Schleiffläche, das Schleifrad ist horizontal angeordnet. Die Kühlung erfolgt über Tropfwasser aus einem darüber gelegenen Behälter. Überschüssiges Wasser sammelt sich in einem Auffangbehälter unter dem Stein.

Dieses Bild zeigt einetypisch japanische Schärfmaschine.

Der wassergekühlte Bandschleifer

Der wassergekühlte Bandschleifer ist auf das Schärfen bezogen vor allem für Ballenschliffe und grobe Vorschliffe geeignet. Er kann auch verwendet werden um Klingen auszudünnen. Es werden zwei Varianten gebaut. Bei der einen läuft das Schleifband durch ein Wasserbad. Bei der anderen wird ein vertikal laufendes Schleifband von oben mit Wasser überspült.

Dieses Bild zeigt den Aufbau eines wassergekühlten Bandschleifers.

Anschliffvarianten


Man unterscheidet drei Anschliffvarianten, den V-Schliff (Normalschliff), den einseitigen Anschliff und den Ballenschliff.


Normalschliff

Die meisten Messer haben einen V-Schliff. Dies ist die normale Anschliffvariante bei europäischen Messern. Er ist der universellste Anschliff mit guten Eigenschaften bezüglich Schärfe, Schnitthaltigkeit und Stabilität.

Diese schematische Darstellung zeigt wie man ein Messer korrekt auf einem Schleifstein schärft.

Der Winkel ist hierbei wie folgt einzustellen:

Diese Darstellung zeigt die richtige Einstellung des Schleifwinkels beim Schärfen eines Messers anhand des Beispiels von 30°.
Man schleift von zwei Seiten, also muss der Winkel beim anstellen von jeder Seite halbiert werden. Zwei mal 15° sind 30°, zwei mal 17,5° sind 35° u.s.w..


Japanmesser

Einige Japanische Kochmesser haben einen einseitigen Anschliff. Dieser bietet hervorragende Schneidleistungen zulasten der Stabilität. Deshalb sind diese Messer meist aus extrem hartem und im Optimalfall selektiv gehärtetem Stahl gefertigt. Dies hat zudem den Vorteil, dass es die Gratbildung beim Schärfen zu einem gewissen Teil unterdrückt. Dennoch sollten sehr abriebfeste Schleifkörper mit feiner Körnung benutzt werden. Der Maschinenschliff sollte nur dann Anwendung finden wenn es sich nicht vermeiden lässt, also zum ausschleifen von Ausbrüchen oder Ähnlichem. Es dürfen dabei nur absolut plane , gekühlte Schleifkörper verwendet werden.

Dieses Bild zeigt ein Japanisches Kochmesser mit einseitigem Anschliff auf einem Schleifstein.

Niedrig legierte und unlegierte Stähle neigen stark zur Korrosion. Verwenden Sie am besten nur destiliertes Wasser und trocknen Sie die Messer sofort wieder.


Rasiermesser

Für Rasiermesser sollte man sehr abriebfeste Steine mit feiner Körnung benutzen (ab 5000 aufwärts - danach übers Leder ziehen - bei sehr stumpf gewordenen Klinken kann man zunächst mit 1000er Körnung rangehen und danach als Übergang zum 5000er mit einer 2000er oder 3000er Körnung auf den Endschliff vorbereiten).

Diese Grafik zeigt eine Rasiermesserklinge auf einem Schleifstein im Querschnitt.
Bei Rasiermessern ist der Schleifwinkel durch die Breite des Klingenrückens vom Hersteller vorgegeben. Um diesen nicht zu verkratzen und auf Dauer sogar abzutragen empfielt es sich jedoch ihn entweder abzukleben, oder ihn kurz über der Schleifsteinoberfläche zu halten. Nach einem Anschliff kann die Klinge eine Weile durch regelmäßiges Abziehen auf einem Streich- oder Stoßriemen Scharf gehalten werden.


Ballenschliff

Der Ballenschliff kommt am häufigsten bei Äxten und Beilen vor. In der heutigen Zeit wird auch manches Outdoormesser auf diese Weise angeschliffen. Er liefert eine sehr gute Stabilität und Schnitthaltigkeit bei verminderter Schneidleistung. Er ist unter den Anschliffvarianten der am schwersten zu schärfende. Ohne Zuhilfenahme von Geräten - also zu hause geht das mit der Mousepadmethode.

Dieses Bild zeigt den Aufbau der Mousepadmethode.

Die Qualität des Schleifpapiers ist bei der Mousepadmethode von entscheidender Bedeutung. Ich rate deshalb zur Verwendung hochwertiger Markenprodukte mit scharfkantigem Schleifmittel und guter Bindung. Bei sehr hartem Stahl kann es erforderlich sein, diamantbeschichtetes Schleifpapier zu verwenden. Es sollte mindestens bis Körnung 2000 geschliffen werden. In Spezialgeschäften gibt es noch sehr viel feinere Körnungen zu kaufen.

Dieses Bild zeigt einen typischen Fehler bei der Anwendung der Mousepadmethode.

So einfach das Prinzip erscheint, gibt es bei der Mousepadmethode auch Tücken.

Diese Darstellung zeigt die Anwendung der Mousepadmethode.


Auch bei richtiger Anwendung kommt es zu einer ungleichmässigen Druckverteilung (der Druck ist in der Mitte des Ballens am größten). Dadurch würde der Ballen bei jedem Schärfvorgang ein wenig mehr abgetragen.


 

Schleifwinkeltabelle:


Wird eine neuer Schneidenwinkel, bzw. eine neue Schneide aufgesetzt, oder lässt sich der Winkel nicht anhand der Microfase einstellen (z.B. bei sehr dünnen Schneiden), so sollten folgende Richtwerte eingehalten werden:
 
Küchenbeile (Balligschliff): 40° - 45°
Ausbeinmesser:  35° - 40°
Küchenmesser aus hochlegiertem, konventionellem Stahl: 30° - 35°
Küchenmesser aus niedrig legiertem-, oder PM-Stahl 25° - 30°
Jagdmesser aus hochlegiertem, konventionellem Stahl: 30° - 35°
Jagdmesser aus niedrig legiertem-, oder PM-Stahl 25° - 30°
Outdoormesser aus hochlegiertem, konventionellem Stahl: 35° -  40°
Outdoormesser aus niedrig legiertem-, oder PM-Stahl: 30°  - 35°
Rasiermesser 15°  - 20°

Diese Empfehlungen können Ausnahmen nicht berücksichtigen. Es gibt mittlerweile hochlegierte, konventionelle Messerstähle mit einem sehr feinkörnigen Gefüge. Diese können in einem ähnlichen Winkel wie niedrig legierte Stähle geschliffen werden. Im Zweifel rate ich eher zu einem etwas stumpferen Winkel. Zwar ist der Reiz eines scharfen Winkels groß, um so größer ist jedoch der Ärger, wenn die Schneide sofort wieder stumpf ist oder schlimmstenfalls sogar Ausbrüche bekommt.

 

Holzpflege

Grundsätzliches


Ein Griff aus unbehandeltem Holz sollte von Zeit zu Zeit mit einer Wachspolitur oder härtendem Öl behandelt werden. Natürlich sind meine Holzgriffe bei Auslieferung vorbehandelt, jedoch baut Sonnenlicht den Schutz mit der Zeit ab und er wird durch Seifenwasser langsam ausgewaschen. Wenn Sie mit einem weichen, trockenen und sauberen Baumwolltuch darüberreiben und der Griff dennoch stumpf aussieht ist die Zeit dafür gekommen. Öl sollte auf geklebten Griffen immer nur sehr sparsam angewendet werden, da es, wenn es zu dick aufgetragen wird unter die Verklebung kriechen kann. Es sollte ggf. lieber mit einem zweiten, hauchdünnen Auftrag gearbeitet werden.
Es folgt eine Auflistung von Pflegemitteln und einigen Hinweisen. Die genannten Öle und Wachse sind für unbehandelte Hölzer geeignet, können jedoch die Farbe beeinträchtigen.

:

Pflegemittel


Holzpflegemittel aus Bienenwachs und Balsamterpentinöl

Vorteile: Leicht zu erneuern, trocknet schnell, polierbar, kann selbst hergestellt werden (ist aber gefährlich, weshalb ich davon abrate), bietet guten Griff und guten Schutz, leichte Anwendung

Nachteile: Wird relativ schnell durch Sonnenlicht abgebaut, wird durch Spülmittel schnell ausgewaschen,

Natürlich sind einige Produkte auf dem Markt erhältlich, man kann die Politur aber auch selbst herstellen. Ich empfehle das ausdrücklich nicht und schließe jegliche Haftung aus. Die nachfolgende Beschreibung soll lediglich informativen Charakter haben um altes Wissen zu erhalten.

Herstellung: Man verwendet Balsamterpentinöl und die gleiche Menge gereinigtes Bienenwachs (kriegt man in der Apotheke - billiger im Internet). Man benötigt ein verschliessbares Glasgefäß, welches in einen Kochtopf passt. Das gereinigte Bienenwachs wird kleingeschnipselt bis das Glasgefäß zu einem Drittel damit gefüllt ist, dann nimmt man das Wachs wieder herraus. Danach wird das offene Glasgefäß zu einem Drittel mit Balsamterpentinöl gefüllt. In den Kocktopf kommt gerade so viel Wasser, dass das Glasgefäß noch sicher darin steht, wenn es zu einem Drittel mit Balsamterpentinöl gefüllt ist. Der Topf mitsamt Wasser und Terpentinöl wird nun auf einer Kochplatte bei niedriger Hitze erwärmt. Das Wasser soll heiß sein, darf aber nicht kochen.

Diese schematische Darstellung zeigt wie ein natürliches Holzwachs hergestellt wird.

Brandgefahr/Explosionsgefahr!: Die Dämpfe der Terpentinöls sind leicht entflammbar - es dürfen keine offenen Flammen, Funken oder sonstige Zündquellen in der Nähe sein, das Terpentinöl hat laut gängiger Meinung einen Flammpunkt von 35°C. Bienenwachs schmilzt erst bei 60-70°C. Ich hab das zum Glück früher nicht gewusst und konnte diese altbewährte Politur somit herstellen. Anscheinend gab es schon Fälle in denen sich das Terpentinöl entzündet hat - es ist also tatsächlich gefährlich (Ich mach das schon ewig und mir ist bis heute nichts passiert). Natürlich darf die Prozedur nur im Freien durchgeführt werden, das Öl und die Dämpfe gelten als reizend und Gesundheitsschädlich - auch wenn das Öl aus Baumharzen gewonnen wird und gut riecht.
Wenn das Öl handwarm ist kann nach und nach etwas Wachs hinzugegeben werden, dabei mit einem geeigneten Werkzeug umrühren. Erst neues Wachs hinzugeben wenn das alte vollständig gelöst ist, dann aber sofort nachschütten (so lässt sich die Temperatur unter Kontrolle halten). Wenn das gesamte Wachs gelöst ist, das Gemisch aus dem Wasser nehmen und im offenen Gefäß abkühlen lassen. Es ist sinnvoll dabei das heiße Wasser aus dem Topf durch kaltes zu ersetzen und das Glas wieder hineinzustellen. Dadurch wird die Politur schneller kalt und trocknet weniger aus.
Verbrennungsgefahr! - es sollten geeignete Handschuhe getragen werden.
Wenn die Politur erstarrt ist, sollte das Gefäß sofort verschlossen und an einem Kühlen, lichtgeschützten Ort aufbewahrt werden (sie kann sonst austrocknen).
Wie ich bereits erwähnte, empfehle ich die eigene Herstellung ausdrücklich nicht. Haftungsansprüche, die daraus resultieren, dass es doch jemand tut lehne ich ab.

Anwendung: Tragen Sie die Wachspolitur mit einem Tuch dünn auf, verreiben Sie diese gründlich und lassen Sie den Griff über Nacht an einem trockenen und warmen Ort einziehen. Am nächsten Morgen können Sie mit einem Baumwolltuch den Stahl durch reiben von Wachsablagerungen befreien und auf die gleiche Weise wieder Glanz auf das Holz bringen.



Leinöl & Leinölfirnis

Vorteile: guter Griff (härtet zu einer gummiartigen Schicht aus), länger anhaltende Schutzwirkung, Firnis kann selbst hergestellt werden (auch dazu rate ich nicht)

Nachteile Trocknet langsam (ca. sechs Wochen bis die endgültige Härte erreicht ist - der Prozess kann jedoch beschleunigt werden), schwer polierbar (eigentlich nur maschinell), wird langsam durch UV-licht abgebaut, Vorsicht! Mit Leinöl oder Leinölfirnis getränkte Lappen können sich selbst entzünden und sollten in einem Luftdicht verschlossenen Gefäß aufbewahrt werden!

Leinöl ist ein altes, bewährtes Mittel zur Holzpflege. Beim Leinölfirnis handelt es sich um ein Leinölprodukt welches durch kochen (Polimerisationsprozess) eingedickt wurde. Dies beschleunigt die Anfangstrocknung. Bei Produkten aus dem Handel sind normalerweise zusätzlich Metalloxide als Reaktionsbeschleuniger zugesetzt. Diese können allergische Reaktionen hervorrufen und gelten auch ansonsten nicht gerade als unbedenklich. Leinölfirnis ist in Grunde leicht herzustellen. Natürlich empfehle ich auch dies ausdrücklich nicht und warne vor den Gefahren wie Verbrennungen, Brandgefahr und giftigen Dämpfen. Die nachfolgende Beschreibung hat deshalb wieder rein informativen Charakter.

Herstellung: Zur Herstellung lässt man reines Leinöl bei 180°C-190°C für mindestens zwei Stunden Kochen (besser länger). Die Temperatur von 190°C darf dabei keinesfalls überschritten werden. Besonders gut macht sich dies in einer ausgedienten Friteuse. Das in der Küche zu machen ist jedoch nicht empfehlenswert, da es zu starker und durchaus unangenehmer Geruchsbildung kommt, die sich dauerhaft festsetzen kann.
Achtung! Heißes oder gar brennendes Öl darf keinesfalls mit Wasser gelöscht werden - Stichflamme, oder zumindest herrumspritzendes, sehr heißes Öl und somit schwere Verletzungen sind dann garantiert. Besser ist es die Flammen zu ersticken indem man das Gefäß abdeckt und dem Feuer somit den Sauerstoff entzieht.
Der fertige Firnis sollte in einem geschlossenen Gefäß, an einem kühlen und lichtgeschützten Ort aufbewahrt werden.

Anwendung: mit Baumwolltuch dünn auftragen, trocknen lassen und ggf. anschließend mir einer Leinenschwabbel und feiner Kunststoffpolitur polieren. UV-Licht und Wärme beschleunigen die Trocknung.



Walnussöl

Funktioniert, bildet aber keine nennenswerte Schicht und braucht lange zum trocknen. Es lassen sich damit jedoch hervorragende Pflegemittel herstellen, wenn es mit anderen Ölen, Wachsen und/oder Harzen gemischt wird.


Schaftöl:

Schaftöle werden traditionell zur Pflege von Gewehrkolben und Pistolengriffen benutzt. Empfehlenswert sind zudem auch "Danish Oil™" und "True Oil™" (Die Verwendung der Markennamen dient lediglich der Empfehlung - ich erhalte kein Geld von der Firma und habe auch ansonsten nichts mit den Firmen oder deren Produkten zu tun), wobei ich das erstgenannte besonders hervorheben möchte. Es handelt sich dabei um eine Mischung aus verschiedenen, trocknenden Ölen und Harzen.

Vorteile: leicht anwendbar, trocknet verhältnismässig schnell, glänzt ohne Nachpolitur, ist sehr hart und langlebig

Nachteile: bildet eine glatte Schicht aus (nicht besonders griffig)

Anwendung: Dünn auftragen und trocknen lassen.

 

Lederpflege

Anleitung


Auch Leder braucht Pflege. Produkte aus Naturleder dürfen nicht über längere Zeit im Nassen liegen. Meine Lederwaren sind bei Lieferung bereits wachsimprägniert. Jedoch sollte diese Behandlung von Zeit zu Zeit wiederholt werden. Wenn das Leder doch einmal durchnässt wird, so behält es anschließend die Form, die es beim trocknen hatte. Deshalb ist es ggf. notwendig es vor dem Trocknen zurecht zu drücken und danach mit einem geeigneten Mittel zu behandeln um es wieder zu schützen. Dazu die Lederpflege mit einen weichen Tuch satt auftragen. Ideal ist es zunächst ein reines Lederfett zu verwenden und einziehen zu lassen. Anschließend kann ein für das entsprechende Leder geeignetes Lederwachs verwendet werden  um die Oberfläche zu versiegeln. Diese Wachse sind immer dünn aufzutragen und einzumassieren, damit sich nach dem Trocknen keine schlieren bilden. Nach dem Trocknen sollte das Leder, mit einer weichen Naturhaarbürste (am besten Rosshaar – wie sie bei der Pflege feiner Lederschuhe verwendet wird) abpoliert werden.
 

Pflegemittel


Natürlich lässt sich auch Lederwachs selbst herstellen. Dies ist im Gegensatz zur Herstellung von Holzwachs aus meiner Sicht mit keinen größeren Gefahren verbunden, als wenn man sich eine Suppe aufwärmt. .Dennoch möchte ich niemandem empfehlen die Prozedur durchzuführen und lehne jegliche Haftungsansprüche ab. Die Politur ist für die meisten Glattleder geeignet.

Herstellung: Man benötigt gereinigtes Bienenwachs, die vierfache Menge Vaseline (reines Vaselin), ein verschliessbares Glasgefäß das in einen Kochtopf passt, einen Herd und etwas zum umrühren. Das Wachs wird kleingeschnipselt, die Vaseline in das Glasgefäß gegeben, das Glasgefäß (offen) in den Topf gestellt und der Topf gerade so weit mit Wasser gefüllt, dass das Glas noch sicher darin steht. Nun wird der Topf auf dem Herd erwärmt bis die Vaseline sich verflüssigt.

Diese schematische Darstellung zeigt wie ein natürliches Lederwachs hergestellt wird.

Dann wird nach und nach unter rühren das Wachs zugegeben - immer ein bischen und erst wieder Wachs zugeben wenn das alte sich vollständig in der Vaseline gelöst hat. Das Wasser sollte während der Prozedur heiß werden, darf aber nicht Kochen. Wenn das gesamte Wachs gelöst ist, wird das Glas aus dem Topf genommen (natürlich mit Topflappen oder Handschuhen). Sobald die Politur abgekühlt ist, wird das Glas verschlossen und an einem kühlen, trockenen Ort gelagert. Diese Politur schützt, Pflegt und macht das Leder schön geschmeidig, selbst sprödes Leder lässt sich damit oft noch retten. Anwendung wie oben beschrieben.


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©Martin Brodersen